Handwerk

Digitaler Stundenzettel im Handwerk

Drei Wege von Papier zu digital – was rechtlich gilt, was sich rechnet und wie die Zeiten in die Buchhaltung kommen

Tau auf einem Holzdeck in Schwarzweiß mit orangefarbenem Akzent.

Von Marcus Jurkat ·

Die Kurzfassung

Der Papier-Stundenzettel kostet einen typischen Handwerksbetrieb nicht beim Ausfüllen Zeit, sondern danach: beim Entziffern, Abtippen und Korrigieren im Büro. Digital erfassen heißt, dass die Zeit nur einmal angefasst wird – auf der Baustelle, mit zwei, drei Eingaben – und von dort automatisch in Buchhaltung und Projektzuordnung läuft. Drei Wege führen dahin; welcher passt, hängt davon ab, was im Betrieb schon im Einsatz ist.

Was der Zettel wirklich kostet

Freitagnachmittag, fünf Monteure, fünf Handschriften. Am Montag sitzt die Bürokraft zwei Stunden an der Übertragung, korrigiert Zahlendreher und ruft zweimal auf der Baustelle an, weil eine Projektnummer fehlt. Erst am Dienstag gehen die Rechnungen raus – drei Tage nach der Arbeit, die sie abrechnen.

In Zahlen: Verlieren drei Monteure je 15 Minuten pro Woche mit Zetteln und braucht das Büro zwei Stunden für die Übertragung, sind das rund 12 Stunden Verwaltung im Monat – bei 30 € internem Stundensatz etwa 4.300 € im Jahr. Die Rechnung mit deinen eigenen Werten macht der Kosten-Rechner; wie der Ablauf danach aussieht, zeigt das Branchenbeispiel Handwerk.

Dazu kommt der Teil, über den seltener gesprochen wird: Was nicht lesbar ist, wird geschätzt. Geschätzte Zeiten landen in Rechnungen und in der Nachkalkulation – und dort entscheiden sie mit, ob ein Auftragstyp sich lohnt oder nur so aussieht.

Was rechtlich gilt – kurz und ohne Panik

Pflicht ist die Erfassung, nicht die Form. Für das Baugewerbe und weitere Branchen aus § 2a des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes schreibt § 17 MiLoG vor, Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit spätestens bis zum Ablauf des siebten Kalendertages aufzuzeichnen und mindestens zwei Jahre aufzubewahren; für Minijobber gilt das in allen Branchen. Unabhängig davon hat das Bundesarbeitsgericht 2022 entschieden, dass Arbeitgeber ein System zur Erfassung der Arbeitszeit vorhalten müssen (Beschluss vom 13.09.2022, 1 ABR 22/21).

Ein Papierzettel erfüllt diese Vorgaben – niemand muss aus rechtlichen Gründen digitalisieren. Nur: Wer ohnehin aufzeichnen muss, kann sich aussuchen, ob die Aufzeichnung danach Arbeit macht oder welche abnimmt.

Drei Wege zum digitalen Stundenzettel

Weg 1

Fertige Zeiterfassungs-App

Schnell eingeführt, ordentliche Oberfläche, App-Store, fertig. Der Haken zeigt sich später: laufende Kosten pro Mitarbeiter und Monat – und wenn die App keine Schnittstelle zu deiner Buchhaltung hat, tippt das Büro weiter ab, nur jetzt aus einer App statt vom Zettel. Vor dem Abschluss lohnt ein einziger Test: Kommt eine erfasste Stunde ohne Handarbeit in deiner Rechnung an?

Weg 2

Modul der vorhandenen Software

Viele Handwerker- und Buchhaltungsprogramme bringen eine Zeiterfassung mit. Wenn dein Betrieb so ein Programm ohnehin nutzt, ist das der kürzeste Weg – die Daten sind dort, wo sie gebraucht werden. Prüfen solltest du zwei Punkte: ob die Erfassung auch offline auf der Baustelle funktioniert und ob die Monteure damit in unter einer Minute durch sind. Ein Modul, das keiner bedient, erfasst nichts.

Weg 3

Eigenes Formular plus Automatisierung

Ein schlankes Formular auf dem Dienst-Handy – Baustelle wählen, Start, Stop – und dahinter ein Ablauf, der die Zeiten dem Auftrag zuordnet und an Lexoffice, sevDesk oder deine Projektverwaltung übergibt. Der Vorteil: keine Abo-Kosten pro Kopf, die Lösung passt sich deinem Betrieb an statt umgekehrt, und sie gehört nach der Übergabe dir. Das ist der Weg, den Takelwerk baut – auf einem Server in Deutschland, dokumentiert und übergabefähig.

Woran Umstellungen scheitern

  • Zu viele Pflichtfelder. Wenn die Erfassung länger dauert als das Kritzeln auf Papier, gewinnt das Papier. Alles, was sich aus dem Kontext ergibt – Datum, Mitarbeiter, Standard-Baustelle –, gehört vorbefüllt.
  • Umstieg mitten in der Auftragsspitze. Die Umstellung braucht ein ruhiges Fenster und zwei Wochen Parallelbetrieb, in denen Papier noch als Rückfallebene gilt. Danach wird der Block eingesammelt.
  • Die Buchhaltung bleibt außen vor. Digital erfasst, aber manuell übertragen – das ist die halbe Umstellung und spart fast nichts. Der Gewinn steckt in der Übergabe ohne Abtippen, nicht im Formular selbst.

So setzt Takelwerk das für Handwerksbetriebe im Norden um

Takelwerk sitzt in Lübeck und arbeitet mit Betrieben in Schleswig-Holstein und Hamburg. Im kostenlosen Erstgespräch wird zuerst geklärt, was schon da ist: Welche Buchhaltung, welche Projektverwaltung, welche Handys auf der Baustelle. Danach gibt es einen schriftlichen Festpreis – vor dem ersten Arbeitsschritt. Der beschriebene Einstieg passt meist in das Einstiegspaket „Erste automatische Winde“ ab 490 Euro.

Häufige Fragen

Ist ein digitaler Stundenzettel Pflicht?
Nein – Pflicht ist die Erfassung, nicht die Form. Betriebe aus den Branchen des § 2a Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz, darunter das Baugewerbe, müssen Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit spätestens nach sieben Kalendertagen aufzeichnen und zwei Jahre aufbewahren (§ 17 MiLoG); dasselbe gilt branchenübergreifend für Minijobber. Das Bundesarbeitsgericht hat 2022 zudem entschieden, dass Arbeitgeber ein System zur Arbeitszeiterfassung brauchen (1 ABR 22/21). Ein Papierzettel erfüllt das alles formal – er ist nur der teuerste Weg, es zu tun.
Welche App ist die beste für digitale Stundenzettel im Handwerk?
Eine ehrliche Antwort: die, die zu euren Abläufen passt – nicht die mit den meisten Funktionen. Entscheidend sind drei Dinge: Die Erfassung muss offline funktionieren, sie muss mit zwei, drei Eingaben erledigt sein, und die Zeiten müssen ohne Abtippen in eure Buchhaltung oder Projektverwaltung kommen. Oft reicht dafür ein einfaches Formular plus Anbindung – ganz ohne neue App im Abo.
Was passiert, wenn auf der Baustelle kein Netz ist?
Die Einträge werden auf dem Gerät zwischengespeichert und synchronisieren sich, sobald wieder Verbindung besteht. Das ist eine Grundanforderung, keine Kür – ein digitaler Stundenzettel, der Netz voraussetzt, fällt im Neubaugebiet oder im Keller sofort durch.
Funktioniert das auch für Arbeitszettel und Wochenzettel?
Ja, mit derselben Mechanik. Ein Arbeitszettel erfasst neben der Zeit auch Tätigkeit, Material und Regieleistungen; ein Wochenzettel fasst die Tage zusammen. Beides sind am Ende strukturierte Daten, die einem Auftrag zugeordnet und weitergereicht werden – ob an die Rechnung, die Nachkalkulation oder die Lohnabrechnung.
Was kostet die Umstellung auf digitale Stundenzettel?
Ein klar umrissener Einstieg – Erfassungsformular, Projektzuordnung, Übergabe an Lexoffice oder sevDesk – passt in das Einstiegspaket „Erste automatische Winde“ ab 490 € Festpreis. Der Preis steht schriftlich fest, bevor gearbeitet wird. Laufende Abo-Kosten pro Mitarbeiter entstehen bei diesem Weg nicht.

Wie viele Zettel liegen freitags bei dir im Transporter?
Im Erstgespräch klären wir, welcher der drei Wege zu deinem Betrieb passt.

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